Hüftgelenksdysplasie (HD)

… Problemfeld HD

Vor der Diagnose „HD“ fürchtet sich wohl jeder Hundebesitzer. Das Fatale: Eine Heilung gibt es nicht. Es wird intensiv geforscht, neue Denkansätze werden diskutiert, doch sind noch immer viele Fragen ungeklärt. Dr. Bernd Tellhelm und Prof. Dr. Ottmar Distl informieren im ersten Teil Ihres Beitrages über den aktuellen Stand wissenschaftlicher HD- Erkenntnisse.
Übergewicht, schnelles Wachstum und Überforderung im Junghundalter sind Faktoren, die die Entstehung einer HD unter Umständen begünstigen können. Schwere Rassen wie dieser gesunde Große Schweizer Sennenhund müssen deshalb besonders schonend aufgezogen werden.

Auf den ersten Blick scheint es sich bei der Hüftgelenksdysplasie – HD – des Hundes um ein klar definiertes, gut bekanntes Leiden zu handeln. In einer Publikation war gerade zu lesen, es sei die am besten erforschte Erkrankung des Bewegungsapparates. Der Begriff „Dysplasie“ (griechisch: Dys = schlecht, plasia = Form) drückt aus, dass Oberschenkelkopf und Beckenpfanne nicht korrekt zusammenpassen. Bei der Entstehung spielt die Vererbung eine maßgebliche Rolle. Die Diagnose ist relativ einfach röntgenologisch zu stellen. Damit liegt eine gesicherte Basis für das weitere therapeutische und züchterische Vorgehen vor. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich, dass schon bei der Definition der HD unterschiedliche Formulierungen gebraucht werden, was dann auch Auswirkungen auf die Wertung röntgenologischer Befunde für die Diagnose der HD, mehr noch für die Graduierung in verschiedene Stufen hat. Wenn man sich mit den Ursachen und der Entstehung dieser Erkrankung befasst, stößt man noch auf zahlreiche Wissenslücken.

Entstehung
Der Begriff „Hüftgelenksdysplasie“ wurde 1954 von SCHNELLE eingeführt, der schon 1935 das Krankheitsbild beschrieb und es etwas später als „kongenitale Subluxation“ (angeborene Lockerheit) des Hüftgelenkes benennt. Die Erkenntnis, dass sich die Erkrankung erst während des Wachstums der Tiere ausbildet, schlug sich dann in den später formulierten Definitionen der HD nieder. Die HD wird als „erblich bedingte postnatale Fehlentwicklung des Hüftgelenkes“ bezeichnet, bei der Gelenkpfanne und Oberschenkelkopf nicht korrekt zueinander passen.
Je nach Autor werden dabei die Schwerpunkte unterschiedlich gesetzt. Einige Autoren machen primär eine Fehlentwicklung der Pfanne für das Geschehen verantwortlich, andere sind der Auffassung, dass immer bei beiden Gelenkanteilen eine Fehlentwicklung stattfindet. Neben diesen primären Fehlbildungen von Gelenkkopf und –pfanne wird das Vorliegen eines lockeren Gelenkes (Subluxation, Luxation) als wesentliches Kriterium der HD angesehen. Lose Hüftgelenke können auch durch Fehlentwicklungen der nicht knöchernen Gelenkteile oder der umgebenden Weichteile entstehen und sekundär eine Deformation des Knochen bewirken. Allerdings wurden von einigen Autoren nicht alle Formen des losen Hüftgelenkes der HD zugeordnet. Bei der üblichen Lagerung des Beckens zum HD-Röntgen mit gestreckten Oberschenkeln soll bei bestimmten anatomischen Variationen des Hüftgelenkes (Coxa valga antetorta) auch bei nicht dysplastischen Gelenken eine Subluxation des Oberschenkelkopfes möglich sein.

Von anderen Autoren wird dem Vorliegen arthrotischer Veränderungen für die Diagnose der HD eine große Bedeutung zugewiesen. Obwohl sie unterschiedliche Ursachen haben können, wird ihr Auftreten schon im jugendlichen Alter als Folge der Funktionsstörung des dysplastischen Gelenkes interpretiert und als wichtiger Hinweis auf das Vorliegen einer HD angesehen.

Diagnose
Bei der HD-Diagnose muß man zwischen der HD als klinisch relevante Erkrankung, die mit Schmerzen und Lahmheit verbunden ist, und der Einstufung der Röntgenbefunde als Basis für eine züchterische Selektion unterscheiden.

Bei einem Hund mit Lahmheit im Bereich der Hinterhand erlauben die bei der klinischen Untersuchung erhobenen Befunde (Lockerheit, Schmerzhaftigkeit, Bewegungs-Einschränkung) allein nur den Verdacht auf das Vorliegen einer HD. Ähnliche Symptome können auch andere Erkrankungen des Hüftgelenkes hervorrufen. Die Absicherung der Diagnose erfolgt durch die Röntgenuntersuchung. Der Röntgenbefund reicht allein zur Ursachenfindung bei Vorliegen einer Lahmheit allerdings auch nicht aus, da im Einzelfall selbst Hunde mit mittlerer bis schwerer HD keine klinischen Symptome zeigen müssen. Bei der Einstufung der Röntgenbefunde als Basis einer züchterischen Selektion spielt die klinische Relevanz keine Rolle.

Es werden weltweit verschiedene Beurteilungssysteme angewendet, bei denen die Röntgenbefunde „Lockerheit, Deformation und / oder Arthrose“ als Kriterien für eine Einstufung in HD-Grade verwendet werden. Dabei wird diesen Kriterien unterschiedliche Bedeutung zugemessen, so dass auch innerhalb eines Beurteilungs-Schemas abweichende Einstufungen durch verschiedene Gutachter auftreten können.

Beschreibung HD und Übersicht der HD-Grade nach FCI

Abdruck mit freundlicher Genehmigung, Der Hund 5/2003